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Gedanken zum Internationalen Frauentag

Elke-Annette Schmidt - 2. stellv. Kreistagspräsidentin und stellv. Vorsitzende DIE LINKE. im Kreistag MSE

Wieder einmal Internationaler Frauentag, Weltfrauentag…Passt dieser Tag noch in unsere Zeit, hat er nach über 100 Jahren noch seine Berechtigung? Was mit einem Vorschlag der Sozialistin Clara Zetkin auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz im Jahr 1910 in Kopenhagen seinen Anfang nahm, etablierte sich seit dem ersten Frauentag am 19. März 1911 (damals nur in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz begangen) in den Folgejahren zu einem Kampftag für Frauen(wahl)rechte und gegen Krieg.

Der Tag erlebte in seiner Geschichte Höhen und Tiefen. Selbst sein Verbot in der Nazizeit wurde mit dem „Auslüften“ von roten Gegenständen am 8. März aus Fenstern oder an Wäscheleinen oder durch das Auslegen illegaler Flugblätter unterwandert. In Zeiten der Teilung Deutschlands wurde er im Osten eher zum (Männer beschürzten) Feiertag und im Westen fast ganz vergessen, bis er dort durch das Engagement der neuen Frauenbewegung Ende der 1960er wieder mehr ins Bewusstsein rückte.

Nach der Wiedervereinigung setzte sich der Frauentag mehr und mehr als ein Aktionstag durch, um auf noch immer bestehende Benachteiligungen von Frauen aufmerksam zu machen. So sagen aktuelle Statistiken, dass 18,3 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Mecklenburg-Vorpommern monatlich weniger als 900 € verdienen und 13,7 Prozent befristet beschäftigt sind. Da verwundert es nicht, dass Frauen nachweislich verstärkt von Altersarmut betroffen sind. Ein weiterer Grund dafür ist die Tatsache, dass etwa 40% des Bruttosozialproduktes durch nichtbezahlte Tätigkeiten im Haushalt (vorrangig von Frauen) erbracht werden und diese nicht vergütet und in die Rentenberechnung einfließen.

Die Aufzählung von strukturell bedingten Benachteiligungen lässt sich fortsetzen mit der deutlich geringeren Anzahl von Frauen in den oberen Chefetagen, in politischen Vertretungen und Entscheidungsgremien. Dabei macht reine Zahlenhascherei nicht den Sinn von Gleichstellung. Sondern die Möglichkeit, das Frauen und Männer, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Leben umsetzen können, ohne an gesellschaftliche Schranken und gläserne Decken zu stoßen.

Populistischen Fragestellungen danach, ob Frauen wirtschaften und ökonomisch denken können, ob sie führen und Verantwortung übernehmen wollen, muss ebenso entschieden entgegen getreten werden wie der Zuschreibung der alleinigen Verantwortung für Familienarbeit und die damit einhergehende Balance von Job und Privatem. Deshalb: Ja, wir brauchen ihn noch, den Weltfrauentag und die, die an diesem Tag klare Zeichen setzen.